Laktoseintoleranz – wenn die Milch Probleme macht

Die Diagnose Laktoseintoleranz, die Unverträglichkeit gegen den Zucker der Milch, wird immer häufiger gestellt. In Deutschland sind derzeit etwa 15 Prozent der deutschen Bevölkerung laktoseintoerlant (Stand 2020). Damit stehen wir in Deutschland noch relativ gut da. In Asien beispielweise vertragen nur ca. 6 Prozent den Milchzucker.

Die meisten Betroffenen haben eine primäre, genetisch bedingte Milchzuckerunvertäglichkeit. Eine Unerträglichkeit gegen Milchzucker kann jedoch auch erworben werden, zum Beispiel als Folge von Darmerkrankungen oder Mangelernährung.

 

Wie kommt es eigentlich zu einer Laktoseintoleranz?

 

Die Ursache der Laktoseintoleranz ist ein Mangel an Laktose abbauenden Enzym im Dünndarm. In den meisten Fällen ist der Enzymmangel genetisch bedingt. Dabei sinkt mit steigendem Lebensalter die Aktivität des Laktose spaltenden Enzyms. Von diesem primären oder physiologischen Laktasemangel unterscheidet man den sekundären oder erworbenen Laktasemangel. Der sekundäre Enzymmangel entsteht durch andere Erkrankungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie (Gluten Unverträglichkeit) oder Magen-Darm-Infekte. Auch Untergewicht und Mangelernährung können einen Grund für sekundären Laktasemangel sein. Sekundäre Laktoseintoleranz verschwindet meist nach erfolgreicher Behandlung der Grunderkrankung. Der Vollständigkeit halber seit erwähnt, dass es auch einen extrem seltenen angeborenenn Mangel an Laktase gibt (kongenitale Laktoseintoleranz).

 

 

Typische und untypische Symptome einer Laktoseintoleranz

 

Da es im Dünndarm an Laktose spaltenden Enzymen mangelt, kann der Zweifachzucker Laktose nicht in seine beiden Einzelzucker Glukose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker) gespalten werden. Es können somit nur die Einzelzucker über die Dünndarmzellen aufgenommen werden. Deshalb gelangt die ungespaltene Laktose in die unteren Darmabschnitte und wird dort von den dort siedelnden Darmbakterien verstoffwechselt. Bei diesem bakteriellen Abbau entstehen Gase (Wasserstoff, Kohlenstoffdioxid, Methan) und organische Säuren. Diese Abbauprodukte wiederum sind die Beschwerden der Laktoseintoleranz verantwortlich.

Ausmaß und Auftreten der Beschwerden und damit die Milchzuckerempfindlichkeit sind sehr individuell und davon abhängig, wie stark die Aktivität des Milchzucker spaltenden Enzyms herabgesetzt ist.

 

 

Typische Symptome einer Laktoseintoleranz sind:

 

  • Bauchgeräuche
  • Blähungen
  • Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe
  • Unwohlsein
  • Aufstoßen
  • Durchfall

 

Teilweise treten aber auch unspezifische Beschwerden auf wie:

 

  • Kopfschmerzen
  • Konzentratiosnschwierigkeiten
  • Müdigkeit
  • Allgemeines Krankheitsgefühl
  • Schlafstörung
  • Depressive Verstimmung

 

Menschen mit diesen untypischen/unspezifischen Symptomen einer Milchzuckerunverträglichkeit haben nicht selten einen langen Leidensweg hinter sich, bevor die Diagnose Laktoseintoleranz gestellt wird

 

Indirekte und direkt Test auf Laktoseintoleranz

 

In vielen Fällen erlaubt schon das ausführliche Erstgespräch mit dem Arzt oer Ernährungstherapeuten erste Hinweise auf eine Laktosinteroleranz. Für die Sicherung der Diagnose stehen mit dem Wasserstoffatemtest und dem Laktosebelastungstest indirekte Testmethoden zur Verfügung.

Zudem gibt es als direkte Test auch einen Gentest auf Laktoseintoleranz.

 

Vermeiden Sie nur den Milchzucker und nicht die Milchprodukte

 

Milch, Sauermilchprodukte und Schnittkäse sind die bedeutendsten Kalziumlieferanten unter den Nahrungsmitteln. Zudem versorgen Sie den Organismus mit hochwertigem Eiweiß, wichtigen B-Vitaminen und Magnesium. Wer diese Lebensmittel völlig von seinem Speiseplan streichen würde, bräuchte ein gutes Ernährungskonzept, um eine Nährstoffmangelversorgung zu vermeiden. Im Übrigen ist es auch gar nicht nötig, wegen eine Laktoseintoleranz auf Milch und Milchprodukte zu verzichten. Seit mehreren Jahren finden Sie in vielen Lebensmittelmärkten ein reiches Angebot an Milchprodukten, deren Milchzucker bereits enzymatisch in die Einzelzucker gespalten wurde und die dadurch laktosefrei sind. Sie sind an Bezeichnungen wie „Minus-L“, „LAC“ oder dem Aufdruck „laktosefrei“ erkennbar und enthalten je 100 Gramm maximal 0,1 Gramm Restlaktose. Zudem sind in vielen Schnittkäsen und Weichkäsen von Natur aus nur Spuren von Laktose vorhanden.

 

Vermeiden Sie versteckte Laktose

 

Laktose hat einige Eigenschaften, die sie für die Lebensmitelindustrie zum interessanten Hilfsmittle macht. Laktose ist als Trägersubstanz für Aromen und Wirkstoffe gut geeignet. Sie bindet Wasser und ist deshalb ein gutes Feuchthaltemittel und zusammen mit Eiweiß sorgt Laktose beim Erhitzen für eine schöne Bräunung. Lesen Sie deshalb die konsequent die Zutatenliste um versteckte Laktose zu vermeiden. Bäckereien und Metzgereien haben Listen mit den Inhaltsstoffen ihrer Waren. Lassen Sie sich vor dem Einkauf diese Listen zeigen, so vermeiden Sie versteckten Milchzucker auch bei loser Ware.

 

 

Schritt für Schritt beschwerdfrei

 

Das Ziel einer erfolgreichen Behandlung der Laktoseintoleranz ist, die individuelle Verträglichkeitsgrenze für Milchzucker zu finden und dadurch trotz Unverträglichkeit gegenüber Laktose beschwerdefrei leben zu können. Die folgenden Tipps sollen Ihnen dabei helfe:

 

1. Ess-Trink-Beschwerde-Tagebuch

Begleiten Sie die Behanldung der Laktoseintoleranz durch ein Ess-Trink-Beschwerde-Tagebuch. Notieren Sie so genau wie möglich, was Sie gegessen und getrunken haben und ob Sie beschwerdefrei waren oder Symptome einer Laktoseintoleranz aufgetreten sind. Ein solches Tagebuch hilft Ihnen, Ihre individuelle Verträglichkeit für Milchzucker sicher zu finden.

 

2. Verzicht auf Milchzucker

Am Besten starten Sie die Behandlung einer Laktoseintoleranz mit dem Verzicht auf Milchzucker (Karenzphase) über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen. In dieser Phase soll sich der gestresste Darm erholen können. Essen und trinken Sie in dieser Zeit ausschließlich laktosefreie Milchprodukte und Käsesorten, die von Natur aus nur Spuren von Laktose enthalten.

 

3. Verzicht auf schwer verdauliches

 

Wenn Ihr Darm sehr empfindlich ist, sollten Sie in der Karenzphase vorsichtshalber auch auf schwer verdauliche und blähende Gemüsesorte, kohlensäurehaltige Getränke, größere Mengen an Obst sowie auf Zuckeraustauschstoffe verzichten.

 

4. Persönliche Laktosemenge finden

 

Im Anschluss an die Karenzphase können Sie nun im nächsten Schritt Ihre persönlich verträgliche Laktosemenge finden. Steigern Sie dazu langsam die Laktosemenge und verteilen Sie dazu langsam die laktosehaltigen Lebensmittel auf mehrere Mahlzeiten. In den meisten Fällen ist es völlig ausreichend. Langsfristig eine mäßig laktosearme Ernährung mit einer Tagesmene von 8 bis 10 Gramm Laktose einzunhalten.

 

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